Geschichte

Gründung der Aenne-Burda-Stiftung

Am 17. Dezember 1991 gründeten die Offenburger Ehrenbürgerin, Frau Aenne Burda, und die Stadt Offenburg gemeinsam die AENNE-BURDA-STIFTUNG. Die Stadt Offenburg erwarb das Vinzentiushaus-Areal und brachte das Anwesen - zunächst ohne die Gebäude Am Marktplatz - in die Stiftung ein. Frau Burda stiftete einen namhaften Geldbetrag. Wie die Tafel am Haupteingang ausweist, fördert die Stiftung “Kunst und Kultur, Umwelt- und Denkmalschutz und die Seniorenarbeit in Offenburg”. Das Stift ist ihr erstes herausragendes Projekt.

Die Stiftung wird geleitet durch den Stiftungsrat mit der Oberbürgermeisterin als Vorsitzende, einem Vertreter des Hauses Burda, zwei Vertreter/innen des Gemeinderats und durch den Vorstand. Alle waren und sind ehrenamtlich für die Stiftung tätig.

Baugeschichte

Offenburg wurde 1238 durch Kaiser Friedrich II. zur Freien Reichsstadt erhoben, erhielt die Selbstverwaltung mit Markt- und Münzrechten, erweiterte sich baulich nach Westen und errichtete die Stadtmauer. Der Holzschnitt von 1600 und insbesondere der bekannte Kupferstich des Matthäus Merian von 1643 zeigen die vieltürmige Stadtsilhouette. Im pfälzischen Erbfolgekrieg sank die Stadt am 8. September 1689 in Schutt und Asche. Nur das ehemalige Kapuzinerkloster in der Gymnasiumsstraße, der Chor der Hl.-Kreuz-Kirche, die Kapelle im Kloster U.-lb.-Frau und zwei Gebäude in der Kesselstraße überdauerten. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts erfolgte der Wiederaufbau: 1700 das Langhaus der Hl.-Kreuz-Kirche, 1701 St.-Andreas-Spital, 1714 Königshof - heute Polizeidirektion, 1731 Spitalspeicher, 1741 Rathaus, 1784 Ritterhaus und zuvor 1764 das Palais oberhalb der Stadtmauer, das spätere Vinzentiushaus und heutige Aenne-Burda-Stift.

Bauherr des Palais war Josef Johann Heinrich Freiherr von Ried. Die Freiherren von Ried waren seit dem 15. Jahrhundert in der Ortenau nachweisbar und begütert in Nesselried, im Illental, im Hespengrund bei Durbach und auch in Sand. Vater und Großvater des Freiherrn waren Militärs. Freiherr von Ried wurde 1718 in Offenburg geboren, er ist 1726 als Schüler des Minoriten-Gymnasiums nachweisbar, trat früh in den Heeresdienst ein. Schon mit 18 Jahren war er Leutnant im Füselier-Regiment in Rastatt, kämpfte in österreichischen Diensten in den Türken- und österreichischen Erbfolgekriegen. Er zeichnete sich besonders im 7-jährigen Krieg aus und stieg bis zum Feldmarschall auf. Als österreichischer Gesandter wirkte er mit großem Geschick und erhielt als “wirklicher Geheimer Rat” den Titel “Exzellenz”. 1765-71 war er Verhandlungsführer bei den Erbauseinandersetzungen zwischen den markgräflichen Häusern Baden-Baden und Baden-Durlach. Er war viel auf Reisen, wohnte wohl nur zeitweise in Offenburg und starb 1779 überraschend in Günzburg an der Donau, wo er sich in kaiserlichem Auftrag aufhielt. In der dortigen Frauenkirche ist er beigesetzt.

Das Palais des Freiherrn von Ried - erbaut 1764/65 am Bollwerk ”Zum schwarzen Hund” von unbekanntem Baumeister - wechselte durch Erbfolge und Verkauf mehrfach den Besitzer, war unterschiedlichst genutzt und hat sein Aussehen im Laufe der Jahrhunderte sehr verändert. Verändert haben sich auch Gestaltung und Zuschnitt des von Ried´schen “Lustgartens” an der Stadtmauer, dem heutigen “Vinzentiusgarten”, wo Orangerie und Treibhaus längst verschwunden sind. Die Initialen des Freiherrn von Ried “J V R” sind noch heute am schmiedeeisernen Gartentor zu sehen.

Vinzentiushaus: 1864 wurde in Offenburg der Privat-Krankenpflegeverein gegründet. Schwestern aus dem Orden des Hl. Vinzenz von Paul aus dem Mutterhaus in Ingenbohl am Vierwaldstättersee wurden berufen, zuerst zwei Schwestern, dann bis zu zwölf. Anna-von-Heimburg, deren Namen das gegenüberliegende Gebäude an der Kornstraße trägt - heute Seniorenbüro, früher städt. Altersheim - war die große Wohltäterin. Sie war die Witwe des Malers Emil von Heimburg, der u.a. die St.-Andreas-Kirche ausgestaltete.

Der Krankenpflegeverein suchte bald nach einem eigenen Haus. Die Bemühungen führten schließlich 1884 zur Gründung der “Vinzentius-Verein AGOffenburg” durch bekannte Offenburger Bürger. Der Verein erwarb das von Ried´sche Anwesen und baute es zum Altersheim und zur Krankenpflegestation und -abteilung aus. Der Altbau an der Kornstraße wurde zu Ende des 19. Jahrhunderts durch den östlichen Seitenflügel erweitert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts umgebaut und aufgestockt; die Gebäude am Marktplatz konnten in den 30er Jahren hinzuerworben werden. 1962/64 wurde hier das “Blaue Haus” mit Seitenflügel am Innenhof neu erstellt. - 1997/99 erbaute das Vinzentiushaus sein neues Alten- und Altenpflegeheim in der Oststadt, nachdem sich der weitere Ausbau und die dringend nötige Modernisierung am alten Standort als nicht sachgerecht erwiesen. Dadurch wurde der Weg frei für das

Aenne-Burda-Stift - Schon 1994/95 hat die Stiftung nach Voruntersuchung der baulichen Möglichkeiten einen Architektenwettbewerb durchgeführt und den Gewinner des 1. Preises, das Büro „schaudt architekten bda“, Konstanz, mit der Planung beauftragt. Planungsziele waren unter Beachtung des Denkmalschutzes der unveränderte Erhalt der Außenfassaden des Altbaus und dessen wesentlichen inneren Gebäudestrukturen, die Verbesserung der Situation in Haupttreppenhaus und Fluren, der Ausbau von seniorengerechten Wohnungen, der Einbau aller nötigen Gemeinschafts- und Sonderräume und der Erhalt der Kapelle. Der Neubau am Innenhof anstelle des abgebrochenen ungeeigneten alten Seitenflügels sollte in moderner Architektursprache unter Beachtung der städtebaulichen Situation gestaltet werden. Beim „Blauen Haus“ am Marktplatz, das die Stiftung noch in der Planungsphase hinzuerwarb, waren die äußere Erscheinungsform i.w. zu erhalten wie auch die inneren Tragkonstruktionen. Neubau und Blaues Haus waren sinnvoll zu erschließen und in beiden Gebäuden seniorengerechte Wohnungen zu schaffen. - Heute zeigt sich das Aenne-Burda-Stift als in sich geschlossene und sorgfältig gestaltete Gesamtanlage. Die Baumaßnahmen erforderten einen finanziellen Gesamtaufwand von rd. 9,3 Mill. Euro. Die Bauzeit betrug rd. 20 Monate von September 1999 bis April 2001.